Erinnerung an

Jodelkönigin Maria Hellwig

* 22. Februar 1920 † 26. November 2010

Maria HellwigIn einem der höchstgelegenen Bergdörfer des Chiemgaus, in Reit im Winkl, erblickte sie am 22. Februar 1920 als Tochter des Elektrikers Heinrich Neumeier und seiner Ehefrau Maria das Licht der Welt. Während die Mama eine echte Reit im Winklerin war, stammte der Herr Papa aus Aicha vorm Wald/Niederbayern.

Schon im zarten Alter von fünf Jahren trieb es Maria Hellwig zur Bühne. Zusammen mit ihren Eltern spielte sie am heimatlichen Bauerntheater. Zwei Jahre später durfte sie schon die Hauptrolle in dem Bühnenstück ´An seines Kindes Grab´ spielen. "Ich mußte darin sterben. Im Bett lag ich, und als ich ´tot´ war, blinzelte ich durch die Sprossen, um zu sehen wie das Publikum reagierte. Die Tränen flossen, und ich war voll zufrieden!", erzählt Maria Hellwig heute noch schmunzelnd. Übrigens, temperamentvoll war sie schon immer. So wollte sie einmal mit einem kleinen Wanderzirkus durchbrennen. Ihr Vater bemerkte dies allerdings rechtzeitig, und holte sie zurück.

Nach ihrer Schulzeit absolvierte Maria in Rosenheim eine Lehre als Verkäuferin. Nach Geschäftsschluß zog es sie jedoch immer wieder zur Bühne hin. So spielte sie nicht nur in Reit im Winkl, sondern auch an der Rosenheimer Volksbühne. In Rosenheim nahm Maria Hellwig auch ihre ersten Gesangsstunden, und setze ihr musikalisches Talent auch auf der Bühne ein. Auf der Bühne lernte sie 1938 auch einen jungen Mann kennen und lieben. Es war Sepp Fischer, der im Dezember 1940 ihr Ehemann und am 5. Juli 1941 Vater ihrer Tochter Margot werden sollte.

In Reit im Winkl wurde sie dann 1943 auch von dem berühmten Kammersänger Martin Kremer entdeckt und für ein Stipendium an der Akademie für Tonkunst in München vorgeschlagen. Unter 600 Bewerberinnen war sie eine der Fünf die einen Studienplatz erhielten.

Der zweite Weltkrieg verschonte auch Maria nicht. Sie mußte ihre Gesangsausbildung unterbrechen, und verlor gleich zwei liebe Menschen. Ihr Bruder fiel in Frankreich und ihr Ehemann Sepp verstarb in fernen Rußland. Maria Hellwig nahm all ihre Kraft zusammen und half, wo man in dieser Zeit nur helfen konnte.

Maria Hellwig 1957Nach Kriegsende lernte sie auch ihren zweiten Ehemann, Addi Hellwig, kennen. Bei beiden hatte es sofort gefunkt, und 1948 führte Addi seine Maria zum Traualtar. Addi Hellwig unterstützte seine Frau vom ersten Tag an, und zog mit ihr sogar nach Hamburg. An der Hamburger Volksoper sprang sie eines Tages für eine erkrankte Soubrette ein. Maria Hellwig kam beim Publikum und den Kritikern so gut an, daß sie gleich für mehrere Auftritte engagiert wurde. So stand sie u.a. als ´Rössl-Wirtin´ oder als Mi in ´Land des Lächelns´ auf der Hamburger Bühne.

Die Sehnsucht zu ihrer kleinen Tochter Margot und ihren Bergen trieb Maria Hellwig zurück nach Reit im Winkl. Dort gründete sie mit ihrem Mann eine Wanderbühne, mit der sie viele Jahre durch die Lande zog. Im Lokal ´Almrausch´ waren Maria und Addi Hellwig dann auch musikalisch tätig. Schon bald war sie ein Geheimtip für Freunde volkstümlicher Operettenmelodien. Eines Tages hörte sie dort auch der Jodlerkönig Franzl Lang. Ihm fiel die schöne Stimme auf, und er zeigte Maria den berühmten Jodelschlag. Wochenlang übte sie im Kohlenkeller das Jodeln, solange bis es endlich ´geschnaggelt´ hatte. Addi Hellwig klopfte beim weltberühmten ´Münchner Platzl´ an. Ludwig Schmidt-Wildy, der damalige Direktor und Förderer vieler Talente, war ebenfalls von Marias Stimme angetan, und schon einen Monat später trat sie in München auf. Nun ließen Film, Funk und auch die Schallplatte nicht mehr lange auf sich warten.

In Wien nahm sie für Telefunken 1957 ihren ersten Schallplattentitel auf. Zusammen mit Rudolf Lenz spielte sie in den Heimatfilmen ´Der Jäger vom Fall´ oder ´Zwei Bayern im Urwald´ mit.

1958 durfte Maria Hellwig zusammen mit dem Orchester Max Greger auf große Rußland-Tournee gehen. Sie war die erste Sängerin nach dem Krieg die in diesem Land auftreten durfte. Für diese Tournee lernte sie übrigens Russisch, und sang auch den ´Erzherzog-Johann-Jodler´ in dieser Sprache.

Fünf Jahre später sang Maria Hellwig mit ihrer Tochter Margot das erste Mal gemeinsam auf Schallplatte. Das Publikum wie auch die Rundfunk- und Fernsehsender waren begeistert. Ein Jahr später baute Addi Hellwig einen alten Kuhstall in ein Café-Restaurant um. Maria richtete es liebevoll ein, und am ersten Weihnachtsfeiertag 1964 wurde der ´Kuhstall´ eröffnet. Noch heute ist der ´Kuhstall´ ein Anziehungspunkt für Volksmusikfreunde aus dem In- und Ausland.

Maria Hellwig in ihrer ZDF Show "Die Musik kommt" 1981Anfang der 70er Jahre durfte Maria Hellwig vier Folgen der Sendereihe ´Musik macht Laune´ moderieren. Das ZDF war von Marias Natürlichkeit so begeistert, daß ihr der Redakteur Hans Roth eine eigene Sendereihe gab. Am 6. Oktober 1973 hieß es zum ersten Mal ´Die Musik kommt´. Zehn Jahre stellte Maria Hellwig in der Sendung Musik, Land und Leute vor. Noch heute gehört die ´Musik´ mit ihren wunderbaren Außenaufnahmen zu den schönsten volkstümlichen Sendungen. Für viele heutige Sendungen dieser Musiksparte war ´Die Musik kommt´ Vorbild. Weitere erfolgreiche Sendungen im ZDF waren ´Die Fahrt ins Blaue´ oder ´Früh übt sich´, in der die heute populäre ´Kelly Family´ ihren ersten Fernsehauftritt hatte.

Tourneen führten Maria Hellwig rund um den Globus. In fast allen Ländern Europas, Afrika, Amerika, Kanada, Hawaii oder Japan, überall versteht es die beliebte Jodelkönigin ihr Publikum zu begeistern. So zählte ihr Programm ´Die Musik kommt´ viele Jahre zu einer der bekanntesten Tourneen.

Von 1984 bis 1991 führte sie mit ihrer Tochter Margot durch die RTL ´Heimatmelodie´ , die in der volkstümlichen Musik neue Zeichen setzte, und innerhalb kürzester Zeit zu einer der beliebtesten Sendungen der Privatsender wurde. Bis 1993 hieß es ´Servus, Gruezi und Hallo´ bei RTL:

Ein großer Schicksalsschlag ereilte Maria Hellwig im September 1996. Plötzlich und völlig unerwartet verstarb ihr geliebter Ehemann und Manager Addi Hellwig. Aus diesem Grund übergab sie im Dezember 1996 den ´Kuhstall´, welchen sie 32 Jahre mit ihrem Addi führte, an ihren Kollegen Thomas Berger.

Maria Hellwig erhielt für ihre Verdienste um die Musik und deutschen Landschaften schon viele Preise und Auszeichnungen. So Goldene Schallplatten, die Herman-Löns-Medaille in Bronze, Silber, Gold und Platin, zahlreiche Anerkennungen von Bürgermeistern, Landräten und Vereinen sowie das Edelweiß, den Ehren-Bambi des Hauses Burda, um nur einige zu nMaria Hellwig im August 2010ennen. Eine besondere Freude wurde ihr im Sommer 1993 bereitet. Ihre Heimatgemeinde Reit im Winkl überreichte ihr für ihren Einsatz um ihre Heimat den ´Goldenen Ehrenring der Gemeinde Reit im Winkl´. Zum 80. und 85. Geburtstag erhielt die beliebte Künstlerin ein Glückwunschschreiben des Heiligen Vaters, Papst Johannes Paul II. In diesem übermittelte er ihr den besonderen apostolischen Seegen. Papst Benedikt XVI erteilte Maria Hellwig anlässlich ihres 87. Geburtstages erneut den apostolischen Segen und übermittelte ihr seine besten Glückwünsche. Von einem schweren Sturz im Oktober 2007 hatte sich Maria Hellwig dank einer Reha in der ´Schön Klinik´ in Rosenheim und ihres eisernen Willens wieder erholt und konnte so von Februar bis Mai 2008 mit Tochter Margot und dem "Frühlingsfest der Volksmusik" auf große Tournee gehen. Für ihr Lebenswerk erhielt Maria Hellwig währen der MDR Gala "Es ist so schön ein Musikant zu sein" am 20. Dezember 2009 den "Herbert-Roth-Traditionspreis". In Chemnitz wurde ihr, ebenfalls für ihr Lebenswerk, am 9. Januar 2010 "Die Krone der Volksmusik" verliehen. Auch die Gemeinde Reit im Winkl ehrt die Sängerin in dieser Sendung. Der Weg an ihrem Haus wurde in "Maria Hellwig Weg" umbenannt. Maria Hellwig ist am 26. November 2010 verstorben. Ihre Familie, Verwandte, Freunde, Fans und zahlreiche Weggefährten nahmen am 1. Dezember 2010 in der Pfarrkirche Reit im Winkl von ihr Abschied.

© by Torsten Nitsche 2010